05.01.2018

Interview mit dem Vorstand

Warum LEADER einen Verein braucht und was das Förderprogramm eigentlich realistisch der LenneSchiene bringt. Ein Interview mit dem Vorstand des Vereins für Regionalentwicklung LenneSchiene

Manchmal ist es nötig, dass man sich zusammensetzt. Dann gibt es wichtige Dinge zu besprechen, zu ordnen, oft auch neu zu bewerten. So geschehen auch neulich im Rathaus Plettenberg, wo sich der Vorstand des „Verein für Regionalentwicklung Region LenneSchiene e.V.“ traf. Zum Vorstand gehören die beiden Vorsitzenden Bürgermeisterin Silvia Voßloh der Stadt Werdohl und Bürgermeister Dietmar Heß der Gemeinde Finnentrop sowie Schatzmeister Matthias Schröder.

Krimischreiben, Jugendkultur, Mountainbiken, Wandern, ein gemeinsamer Kulturtag, ein Quartiersverein – viele engagierte Projekte wurden oder werden gerade mit dem EU-Förderprogramm LEADER entlang der Lenne erfolgreich und vielversprechend umgesetzt.

Trotzdem ist vielen Bürgern immer noch nicht ganz klar, was man sich unter dem Oberbegriff „LEADER Region LenneSchiene“ vorzustellen hat und das dahinter ein Verein steht. Umso besser, wenn man den gesamten Vorstand des einmal geschlossen beieinander hat und ihn in einem Interview ganz gezielt befragen kann.

Was genau macht eigentlich der Vorstand? Welche Funktion hat er?

BM Dieter Heß: Der Verein ist das Leitungsgremium in der LEADER-Region. Das eigentliche Leben, das bestimmen natürlich ganz andere. Z.B. der LEADER -Ausschuss, das Regionalmanagement und natürlich und schlussendlich die vielen ehrenamtlichen Akteure. Ich persönlich sehe den Vorstand als rein formales Element in dieser Konstruktion, weil wir als Verein eben einen geschäftsführenden Vorstand brauchen.

SM Matthias Schröder: Der LEADER-Ausschuss ist dabei das sogenannte Herzstück, nämlich das Gremium, das die Projekte prüft, auswählt und befürwortet. Wer sich dafür interessiert, wie LEADER in der Region umgesetzt wird und sich am Prozess beteiligen möchte, kann Vereinsmitglied werden. Der Verein steht allen interessierten Bürgern im Lennetal offen.

Wie ist nach den knapp zwei Jahren LEADER Ihre persönliche Bilanz?

SM Matthias Schröder: Alles in allem sind wir da auf einem sehr soliden Weg. Wir schaffen sicher keine Veränderungen im Turbo-Tempo. Wir schauen aber schon auf eine ganze Menge Projekte. Teils sind sie schon abgeschlossen, teils werden sie gerade umsetzt. Und viele warten auf den Startschuss, um verwirklicht zu werden. LEADER hat zum jetzigen Zeitpunkt bereits einen positiven Effekt auf die gesamte Region. Leider ist das Förderprogramm noch nicht so bekannt bei den Vereinen, wie wir uns das wünschen.

BM Silvia Voßloh: Es ist uns dabei ganz wichtig, dass sich unsere sechs Kommunen Iserlohn, Nachrodt-Wiblingwerde, Altena, Werdohl, Plettenberg und Finnentrop so einheitlich zusammengetan haben. Wir alle haben das Ziel, unsere Region weiterzuentwickeln und wollen dafür die Gelder der Europäischen Union in Anspruch zu nehmen, die zur Förderung der Städte und Dörfer der ländlichen Regionen bereitgestellt wurden.

BM Dieter Heß: Ich finde diesen Zusammenschluss auch insofern bemerkenswert, weil wir ja dazwischen auch noch eine Kreisgrenze haben. Finnentrop gehört zum Kreis Olpe, die restlichen Städte liegen im Märkischen Kreis. Aber unser Herz schlägt eben gemeinsam für das Lennetal und seine Städte. Politisch ist das sowieso eine tolle Geschichte, dass sechs Kommunen da an einem Strang ziehen und dieses Projekt „LEADER“ so einheitlich betreiben. Das ist etwas, das wir als großen Erfolg zu verzeichnen haben. Es sieht immer so aus, als würden wir uns lediglich um Projekte kümmern, aber wir werben eigentlich noch viel mehr dafür, dass wir gemeinsam etwas für die Region erreichen können.

Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Kommunen enger zusammengerückt sind durch LEADER.

BM Dieter Heß: Wir haben ja schon vorher in der „Regionale“ zusammengearbeitet. Insofern ist LEADER eine Weiterführung und Intensivierung dieser Zusammenarbeit. LEADER ist aber noch mehr. Bei der „Regionale“ mussten wir uns auf die Lenneachse beschränken, LEADER macht es möglich, das Gebiet auch nach links und rechts viel weiter zu öffnen. Auch die Dörfer und ländlichen Siedlungen mit einzubeziehen. Regionale Projekte wie die Lennetrails, die Werdohler Industriegeschichte oder das Projekt „Miteinander essen – für einander da sein“ führen dazu, dass man nicht nur von außen aufmerksamer auf die Städte und Dörfer entlang der Lenne schaut, sondern auch unter den Bürgern ein Aufbruch stattfindet. Man traut sich wieder, Projekte aktiv anzugehen und diese auch umzusetzen.

Sehen Sie das alle so?

BM Silvia Voßloh: Durchaus. Besonders die Vielfalt beeindruckt doch sehr. Manchmal sind es ganz kleine Projekte, die da angeschoben werden, dann wieder sehr große, die das Leben im gesamten Lennetal nachhaltig verändern dürften. Jeder von uns hat es begrüßt, die damals begonnene Zusammenarbeit in der „Regionale“ so intensivieren zu können. Es ist uns allen gemeinsam wichtig, Projekte zu fördern, die einen Mehrwert für die Region darstellen. Dadurch ergeben sich zudem auch wieder neue Ideen, die inspiriert sind durch die bereits erfolgreiche Umsetzung einer guten Idee in der Nachbarstadt.

Was kann man mit LEADER erreichen? Und was könnte dem im Wege stehen?

BM Silvia Voßloh: Gerade für kleinere Projekte, ist der Aufwand, finanzielle Unterstützung zu bekommen oft scheinbar so groß, dass sich Leute oft noch scheuen, ein LEADER-Projekt anzugehen.

Aber dafür ist ja das Regionalmanagement da. Sie helfen bei der Bewältigung der Antragsformulare, sind Ansprechpartner bei allen Fragen. Daher ist es nicht schlimm, wenn Bürger keinerlei Erfahrungen mit Förderprogrammen haben.

Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Vorgaben von EU und Land für Vereine vereinfacht werden würden. Ansonsten sehe ich LEADER aber als eine gute Möglichkeit, kreative Ideen mit Erfolg in die Tat umsetzen zu können.

SM Matthias Schröder:

Das Entscheidende ist, dass sich der Bürger traut, einfach einmal zu fragen. Dann lösen sich die anfänglichen Bedenken meistens relativ schnell in Luft auf. Und dann kann man mit LEADER ganz realistisch gesehen zwar nicht die Welt retten, aber doch einiges anschieben und vieles deutlich zum Besseren verändern.

Was ist denn realistisch umsetzbar in der jetzigen Förderperiode? Es können ja noch bis Ende 2023 Projekte umgesetzt werden.

BM Dieter Heß: Wichtig ist, dass es jetzt im Moment die Chance gibt, als Bürger die Entwicklung seines Lebensumfeldes selbst in die Hand nehmen zu können. Mehr als jemals zuvor. Genau das versuchen wir ja, den Menschen vor Ort zu vermitteln. Wir wollen ja nicht nur neue Projekte generieren, sondern den bereits gewachsenen Status Quo der Städte, Dörfer und Kommunen weiter nach vorne bringen. Ganz stark unter Einbeziehung des Ehrenamtes. Genau daher sollen ja die kreativen Gedanken kommen. Genau diese Menschen sollen ja motiviert werden, ihr eigenes Umfeld attraktiver zu gestalten. Die Aktivierung von Vereinen, um die ganze Region lebenswerter und interessanter für unsere Bürger zu machen, ist sicher eines der realistischsten Ziele, die LEADER haben kann.

Ob da eine Gruppe von Bürgern gemeinsam einen Krimi schreibt, wie gerade in Nachrodt oder eine Jugendwerkstatt installiert wird wie in Werdohl oder in Altena eine Waldbühne gebaut wird, ist eigentlich egal. Wenn die Menschen in der Region solche Ideen und Wünsche haben und sie umsetzen, dann macht das unser Leben hier viel attraktiver.

BM Silvia Voßloh: Das kann ich nur bestätigen. An uns als Städte werden ja oft sehr direkt Ideen herangetragen. Da sind oft gute Ideen dabei, die wir als Kommunen aus finanziellen und personellen Gründen nicht immer umsetzen können. Mit LEADER haben die Bürger die Möglichkeit, mit Geld und Unterstützung aus LEADER das Projekt selbst auf die Beine zu stellen.

Was soll man also tun, wenn man eine Projektidee hat?

Wer ein Projekt hat, für das er Förderung braucht, sollte sich daher direkt an das Regionalmanagement wenden. Silke Erdmann und Kathrin Hartwig freuen sich über einen Anruf und machen gerne einen individuellen Beratungstermin mit dem Ideengeber aus.

Man kann die beiden direkt in ihrem Büro im Werdohler Kulturbahnhof besuchen, sie kommen aber auch gerne persönlich zu dem Antragsteller in seine jeweilige Stadt oder Kommune. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in Finnentrop wohnt oder in Iserlohn. Die beiden helfen zudem bei den Förderanträgen, überprüfen die einzelnen Projekte auf Nachhaltigkeit und stehen mit Rat und Tat jedem zur Seite, der eine gute Idee hat und einen Förderantrag stellen möchte. 

Foto: Der Vorstand (von rechts: Bürgermeister Dietmar Heß, Bürgermeisterin Silvia Voßloh, Matthias Schröder) und das Regionalmanagement (Silke Erdmann, Kathrin Hartwig) bei der Arbeit. Quelle: Regionalmanagement LEADER Region LenneSchiene.